Montag, 4. April 2011

Tagung "Kultur des Therapeutischen" - Herrschaft, Soziale Arbeit und die Transformationen moderner „Seelenführung“

Die Kultur des Sozialen als Kultur des Therapeutischen - Herrschaft, Soziale Arbeit und die Transformationen moderner „Seelenführung"

Tagung des AKS
20. und 21. Mai 2011
in Schwalmstadt-Treysa

Ein „therapeutischer Blick" überlagert heute wie selbstverständlich die gesellschaftliche Wahrnehmung und „Bearbeitung" von ökonomischen, politischen und sozialen Konflikten und Verhältnissen. Spezifische Verfahren der Sinndeutung und Intervention, die ursprünglich auf die professionelle Beziehung von Therapeut und Patient, Berater und Klient beschränkt waren, haben mittlerweile nahezu alle gesellschaftlichen Sphären, Institutionen, Politikbereiche und (Berufs-)Rollen durchdrungen. Sie sind zum unbedenklichen Bestandteil einer (neuen) „moralischen Ordnung" geworden, die ihre individuellen und kollektiven (Selbst-)Deutungen und (Selbst-)Verständigungen bevorzugt aus einem intrapersonalen „Innen" (des „Selbst", der „Gefühle", der „subjektiven Wahrnehmungen", der „Identität" etc.) bezieht. Mit der Etablierung einer Kultur des Therapeutischen ist somit aus Ideologien und Praktiken mit relativ eindeutig definierten Rollen und Funktionen ein umfassendes gesellschaftliches Macht- und Herrschaftssystem der – indirekten – Regierung von Individuen und Gruppen geworden, das sich auf ein therapeutisch vermitteltes Management der „Gefühle", des „Selbst", der „Identität" stützt. – Z.B.: Im Rahmen des Verhältnisses von Kapital und Arbeit hat sich mit der Ausbreitung einer Kultur des Therapeutischen eine bezeichnende Verschiebung vollzogen. Mit dem Aufstieg des – therapeutisch inspirierten – Konzepts „Mobbing" transformierte sich in eine individualisierende Konfliktbewältigung, was ehedem als strukturell bedingter Arbeitskonflikt, als Ausdruck struktureller Widersprüche, als Macht- und Herrschaftsverhältnis gedeutet wurde. Stattdessen werden diese Widersprüche nun nahezu ausschließlich durch die Zuschreibung individueller „Täter"- und „Opfer"-Rollen ausgetragen.
Oder: Die Therapeutisierung von Bildungs- und Erziehungseinrichtungen wie der Schule. Klassenzimmer werden zu diagnostischen Räumen (von ADHS, „Lernbehinderungen" etc.) und Lehrer, Schulsozialarbeiterinnen und Eltern zu (Co-) Therapeuten bzw. selber zum Gegenstand therapeutisch-beraterischer Interventionen. Oder: Die neo-liberale sozialstaatliche Reform-Agenda, die mit ihrer Kompetenzorientierung im Rahmen von „Fördern und Fordern" eine quasi-therapeutische Programmatik artikuliert.
Was die Rolle der Sozialen Arbeit in diesem Prozess der Etablierung einer Kultur des Therapeutischen anbelangt, so war/ist sie dabei nicht nur eine reaktive, geschweige denn eine passive Instanz. Vielmehr spielt die Soziale Arbeit bei der Therapeutisierung gesellschaftlicher Konflikte eine aktive und zentrale Rolle, sie war und ist mithin eine treibende Kraft bei der Transformation gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsverhältnisse.

– Ziel der Tagung ist es sich dieser Zusammenhänge, (auch) mit Hilfe „fachfremder" Unterstützung, (wieder) bewusst zu werden und mögliche Konsequenzen zu diskutieren.

Programm
Freitag, 20.05.2011
19.00 Begrüßung
19.15 Morus Markard, FU Berlin
Einführungsvortrag: "Der Psychologie Grenzen setzen – oder: Zur Therapeutisierung des Sozialen"

20.00 - 21.00 Gemeinsame Diskussion

Samstag, 21.05.2011
09.00 Boris Traue, TU Berlin
"Die Macht der Optionalisierung: Wie werden in Therapie, Beratung und Coaching individuelle und kollektive Handlungsmöglichkeiten konstruiert?"

10.00 Pause
10.15 Uwe Findeisen, Köln
"Von der Selbstachtung bis zur Schulangst – zu subjektiven Reaktionsweisen auf Bedingungen des Leistungslernens"

11.15 Diskussion in zwei Kleingruppen
12.00 Mittagspause

13.00 Johannes Stehr, EH Darmstadt
„Opferdiskurse in der populistischen Sozialen Arbeit"

14.00 Pause
14.15 Marion Ott, Universität Frankfurt
"Erarbeiten und zuschneiden von (In-)Kompetenzprofilen. Testpraktiken bei der Aktivierung von Erwerbslosen"

15.15 Diskussion in zwei Kleingruppen
16.00 Schlussbemerkungen

16.30 Ende

Organisatorisches
Tagungsgebühr:
30 Euro plus 15 € Verpflegung
15 Euro (Studierende etc.) plus 15 € Verpflegung
Die Teilnehmer/innen erhalten eine Teilnahmebestätigung bei Begleichung der Tagungsgebühr an der Tageskasse.

Anmeldung:
Bitte senden Sie per Post, per Fax oder per Mail die Anmeldung mit dem beiliegenden Formular möglichst bis Anfang Mai 2011 an folgende Adresse: s. Tagungsort

Für Rückfragen stehen Ihnen gerne zur Verfügung:
Roland Anhorn
anhorn[at]efh-darmstadt.de
Tel. 06151 – 8798 55
Marcus Balzereit
balzereit[at]soz.uni-frankfurt.de

Unterbringung
Das Diakonie-Zentrum Hephata bietet preisgünstige Übernachtungsmöglichkeiten an (ab 20 € Einzel-/ 5 € Mehrbettzimmer).
Falls Sie eine Übernachtung in einem Hotel wünschen, setzen Sie sich bitte direkt in Verbindung mit:
Hotel Landgraf (5 km Entfernung)
Landgraf - Philippstraße 3
34613 Schwalmstadt-Ziegenhain
Tel.: 06691/4083
www.hotel-landgraf.com
Hotel Rosengarten (5 km Entfernung),
34613 Schwalmstadt-Ziegenhain
Tel.: 06691/94700
e-mail: info[at]hotel-rosengarten.org
www.hotel-rosengarten.org
weitere unter www.schwalm-touristik.de/unterkunft03.htm

Tagungsort
Anschrift:
Evangelische Fachhochschule Darmstadt
Studienstandort Hephata
Hessisches Diakoniezentrum e.V.
Sachsenhäuser Straße 17
34613 Schwalmstadt-Treysa
Telefon: 0421 / 36486976
Fax: 0 66 91 / 18 14 39
E-Mail: frank.bettinger[at]t-online.de
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