Sonntag, 14. August 2011

CfP der ÖZS - Österr. Zeitschrift für Soziologie


"Individualisierung, Entgrenzung und Bewältigung"

Im Zusammenhang mit der empirischen Forschung zu aktuellen Transformationen von Arbeits- und Lebenswelten haben sich in den letzten 20 Jahren vor allem zwei Interpretationsfolien etabliert, die bei der Analyse entsprechender Daten zur Anwendung kommen: In immer neuen Varianten werden Prozesse der Individualisierung und Pluralisierung von Lebenswelten sowie Prozesse der Subjektivierung und Entgrenzung von Arbeitswelten diagnostiziert. Dabei erscheinen die Individuen – vielfach mehr implizit als explizit – als Opfer dieser Transformationen, die dem Zwang der Verhältnisse passiv zu erliegen scheinen; detaillierte Untersuchungen darüber, wie sie auf diese Veränderungen reagieren, wie sich Motive der Übereinstimmung zu jenen der Nicht-Übereinstimmung verhalten, wie auch eigensinnige Handlungslogiken daraus entwickelt werden, sind dagegen vergleichsweise selten zu finden.

In diesen Zusammenhang bereitet die ÖZS ein Themenheft vor, das im Dezember 2012 erscheinen soll. Mit diesem Heft möchten wird einerseits aktuelle Individualisierungs- und Subjektivierungsdiskurse aufgreifen, andererseits insofern darüber hinaus gehen, als nicht lediglich Ausprägungen verschiedener Entgrenzungsphänomene, sondern vielmehr die Heterogenität und Konflikthaftigkeit der subjektiven Bewältigungsmuster in den Blick kommen sollen.

„Bewältigung" fassen wir dabei theoretisch weit gespannt und disziplinübergreifend auf. Die Kategorie setzt an den Subjekten und den individuellen Handlungsstrategien an, bedeutet aber nicht, dass Subjektivität sich in einem regel- und strukturlosen Raum entfalten kann. „Bewältigung" kann aus unterschiedlichen Perspektiven und im Rahmen von kulturellen, individuellen wie kollektiven, psychosozialen bzw. psychodynamischen Facetten diskutiert werden. Mit welchen Anforderungen und Problemlagen sind heute individuelle oder kollektive Akteure konfrontiert, wie werden diese Anforderungen reflexiv oder habituell verarbeitet, welche Lebenskonstruktionen entstehen daraus und in welche Formen von Sozialität sind diesen Konzepte eingebunden?

Mit der Diktion „Arbeits- und Lebenswelten" ist die thematische Breite des Schwerpunktheftes umrissen: keineswegs ausschließlich, jedoch bevorzugt werden Beiträge aufgenommen, die auf verschiedene Segmente einer (Erwerbs-)Arbeitsgesellschaft und deren jeweiligen Verschränkungen mit Mustern der Lebensführung ausgerichtet sind. Ein besonderer Fokus dieses Heftes liegt auf theoretisch und empirisch ausgerichteten Beiträgen, die die Kategorie der Bewältigung im Spannungsfeld von Individualisierung, Anomie und neuen Formen sozialer Bindungen und kollektiver Praktiken beleuchten können.

Wir laden AutorInnen ein, ihr Interesse an einer Zusammenarbeit durch die Einsendung eines Abstracts (250 Worte) für einen Artikel (Umfang von 45.000 bis 55.000 Zeichen mit Leerzeichen) oder für eine Forschungsinformation (kurze Darstellung nicht publizierter, abgeschlossener Forschungsprojekte) bis spätestens 15. Oktober 2011 bekannt zu geben. Wir werden Mitte November 2011 mit einem Feedback ggf. zur Einreichung eines vollen Beitrags einladen. Die fertigen Beiträge sind bis zum 20. Feber 2012 einzureichen. Sie werden anonymisiert von zwei GutachterInnen beurteilt. Die eingereichten Vollbeiträge müssen den formalen Vorgaben der ÖZS entsprechen; Details siehe „Information für Autor/inn/en", abgedruckt in den Heften der ÖZS und ersicht­lich auf der homepage der ÖGS/ ÖZS.

Die Abstracts bitte an beide HerausgeberInnen dieses Schwerpunktheftes senden: Meinrad Ziegler, meinrad.ziegler[at]jku.at und Hubert Eichmann, eichmann[at]forba.at

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