Dienstag, 4. Juni 2013

AK DISKU Fr.,7.6. Über die »verborgenen Mechanismen der Macht« (http://critpsych.blogspot.com #akdisku #feminismus #wissen #sex) ​Julia Riegler: »…die Erkenntniswerkzeuge zum Erkenntnisgegenstand zu machen« – Über die »verborgenen Mechanismen der Macht« in der psychologischen Wissensproduktion und wie man sie sichtbar machen kann (am Beispiel weiblicher ›Sexualstörungen”)

...ertragt ihr manchmal kaum eure Vorlesungen und Seminare, weil die Inhalte dermaßen normativ, pathologisierend und entkontextualisiert sind, dass ihr gar nicht wisst, wo ansetzen mit eurer Kritik, bzw. wie diese formulieren? Seid ihr insbesondere schon über die sogenannten 'sexuellen Funktionsstörungen' gestolpert? Seht ihr eine problematische Funktion in der Psychologie als Herrschaftswissenschaft?

Der AK DISKU der Krips lädt ein:

Freitag, d. 7.6.2013 um 18 Uhr im Seminarraum im NIG (6. Stock)       -> ACHTUNG: anderer Ort als bisher!

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Julia Riegler:
»…die Erkenntniswerkzeuge zum Erkenntnisgegenstand zu machen« – Über die »verborgenen Mechanismen der Macht« in der psychologischen Wissensproduktion und wie man sie sichtbar machen kann (am Beispiel weiblicher ›Sexualstörungen")

Wissenschaft ist nicht nur eine Praxis, in der Wirklichkeit untersucht und beforscht wird. Vielmehr wird in materiellen und diskursiven wissenschaftlichen Praktiken immer auch Wirklichkeit hergestellt – eine Wirklichkeit, die nicht zuletzt von vergeschlechtlichten Herrschaftsstrukturen durchzogen ist. Die Erkenntniswerkzeuge, die dabei zum Einsatz kommen (Begriffe, Denkschemata, Erhebungs- und Auswertungsverfahren), und ihre erkenntnistheoretischen, methodologischen und politischen Implikationen bleiben dabei meist unbemerkt. Das gilt auch für die sich als Natur- und Objektwissenschaft verstehende akademische Psychologie, die die eigene Standortgebundenheit und soziohistorische Situiertheit routinemäßig ausblendet. Das zeigt sich unter anderem an androzentrischen Konstruktionen von ›Weiblichkeit‹ und ›Männlichkeit‹ sowie ihren meist impliziten Normierungen/Normalisierungen und Pathologisierungen. Pierre Bourdieu formuliert in seiner Wissenschaftskritik daher die zentrale Forderung, "die Erkenntniswerkzeuge zum Erkenntnisgegenstand zu machen und die und die mit den Erkenntniswerkzeugen gegebenen Grenzen der Erkenntnis zu erkennen".

Wie sich dieser Forderung nachkommen lässt und was sich dabei über die Art und Weise zeigt, wie die Mainstream-Psychologie habituell ihre Forschungsgegenstände konstruiert, möchte ich zunächst in einem Vortrag am Beispiel des hegemonialen Zugriffs auf das Feld so genannter "weiblicher Sexualstörungen" im Detail zeigen. Im Anschluss soll in einer gemeinsamen Diskussion u.a. folgenden Fragen nachgegangen werden: Wie können wir uns und andere für die "verborgenen Mechanismen der Macht" (Bourdieu) in der psychologischen Wissensproduktion sensibilisieren? Wie können diese Mechanismen im Rahmen der gängigen Lehrformate problematisiert werden? Wie lässt sich die eigene Argumentation stärken und vermitteln?

Zur Person: Julia hat in Wien Psychologie mit Schwerpunkt "Psychologische Frauenforschung" studiert und im Rahmen eines transdisziplinären DOC-team Projekts der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zu "Politsierung von Erkenntnis und Körper. Möglichkeiten einer transdisziplinären feministischen Wissenschaftskritik" dissertiert. Sie ist seit 2007 als Lehrbeauftragte an der Universität Wien und an der Sigmund Freund Privatuniversität in den Bereichen qualitative Forschungsmethoden, feministische und Körpertheorien sowie in der (Mit)Betreuung von Bachelor- und Diplomprojekten tätig.


Wir freuen uns auf euch und viel spannende Auseinandersetzung!

Euer AK DISKU


Übrigens: HEUTE um 16.45 hält Nora Ruck eine Vorlesung zu 'Praxisbeispielen feministischer Psychologie'! HS 33, Hauptgebäude


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