Samstag, 27. Juni 2009

Politische Psychologie heute?

Call For Paper:
"Politische Psychologie heute?"
eine Tagung der Arbeitsgemeinschaft Politische Psychologie an der Leibniz
Universität Hannover
Hannover, 4. bis 6. Dezember 2009.
Deadline: verlängert bis 19. Juli 2009

Der Herrschafts- und Gewaltcharakter gesellschaftspolitisch brisanter
Phänomene wie z.B. Antisemitismus, Rechtsextremismus und Jugendgewalt sind
ohne eine Analyse auch ihrer unbewussten Dynamiken nicht zu verstehen.
Diese zu erforschen und damit "den subjektiven Bedingungen der objektiven
Irrationalität" (Adorno) an der Schnittstelle zwischen kritischer
Gesellschaftstheorie und psychoanalytischer Subjekttheorie nachzuspüren
gehört seit ihren Anfängen zu den zentralen Aufgabender Analytischen
Sozialpsychologie und der psychoanalytisch orientierten Politischen
Psychologie. In den letzten Jahren wird sie allerdings, wie andere
kritische Wissenschaften auch, an den wenigen Orten, an denen sie noch
institutionell verankert ist, immer mehr als "veraltet" und "nicht
anschlussfähig" gebrand markt und an den Hochschulen wegrationalisiert.

Die aufgrund dieser Entwicklungen im letzten Jahr an der Leibniz
Universität Hannover gegründete "Arbeitsgemeinschaft Politische
Psychologie" (AG PolPsy) organisiert vom 4. bis 6. Dezember 2009 eine
Tagung, auf der unter folgenden Fragen grundsätzlich über die Aktualität
der Politischen Psychologie diskutiert werden soll: Worin liegen die
Chancen einer Politischen Psychologie heute und wofür brauchen wir sie
eigentlich noch? Welche Rolle kommt der Psychoanalyse in ihr zu? Wie sind
die psychoanalytisch-sozialpsychologischen Konzepte einzuschätzen, die
momentan breiter aufgegriffen werden? Wie kann die Politische Psychologie
aktualisiert werden? Welche neuen gesellschafts-, kultur- und
subjekttheoretischen wie auch psychoanalytischen Theorieentwicklungen
müssen aufgegriffen werden, um aktuelle gesellschaftliche Phänomene
erklären zu können?
Ziel der Tagung ist es also nicht nur, nach der Bedeutsamkeit der
politisch-psychologischen Traditionen für die Gegenwart zu fragen und
zusammenzutragen, was aktuell unter Politischer Psychologie verstanden
wird. Thematisiert werden soll, ob und ggf. wie die Politische
Psychologie durch das Aufgreifen neuerer theoretischer und methodischer
Ansätze und das Erschließen neuer Anwendungsgebiete aktualisiert und
vorangetrieben werden kann..

Auf der Tagung sollen die folgenden vier Themenkomplexe im Zentrum stehen:
1. Tradition der analytisch fundierten Politischen Psychologie: Wo sind
aktuell interessante Anschlussstellen? Welche Konzepte und Debatten lohnt
es für eine zeitgemäße Weiterentwicklung der Politischen Psychologie
aufzugreifen?
2. Aktuelle theoretische Ansätze: Wie kann die Aufnahme von neueren
psychoanalytischen Konzepten, kritischen Theorien (z.B. Foucault,
Bourdieu, Performativitätstheorien) und geschlechterperspektivischen
Fragestellungen die Politische Psychologie befruchten? Wie lassen sich
diese Ansätze aus einer transdisziplinären Perspektive vermitteln?
3. Aktuelle thematische Ausrichtungen: Mit welchen neuen
gesellschaftlichen Problemfeldern muss sich die Politische Psychologie
heute auseinandersetzen? Welche empirischen Ansätze können dabei unter
welchen methodischen Prämissen verfolgt werden?
4. Wissenschaftsstatus der Politischen Psychologie: Was ist das Politische
an der Politischen Psychologie? Wie verhalten sich Parteilichkeit, Moral
und wissenschaftliche "Objektivität" in der Politischen Psychologie
zueinander? In welchem Verhältnis steht die Politische Psychologie zur
Institution Universität?

Die Tagung wird vom 4. bis 6. Dezember 2009 in Hannover stattfinden.
Vorschläge für Beiträge sollen als Abstract (1 Seite) bis zum 30. Juni
2009 eingereicht werden. Das fertige Programm soll bis September 2009
erstellt werden. Ein Vortrag sollte dabei 25min dauern; für die jeweilige
Diskussion sind ebenfalls 25min vorgesehen. Da die Arbeitsgemeinschaft
über wenig eigene finanzielle Mittel verfügt, bitten wir die
TeilnehmerInnen, die Reise- und Übernachtungskosten bei ihren
Institutionen zu beantragen. Für ReferentInnen ohne institutionelle
Anbindung wird nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten gesucht.

Einreichung von Vorschlägen (inkl. einer Kurzvita der Einreichenden) an: [
mailto:tagung@agpolpsy.de ]tagung@agpolpsy.de.

Arbeitsgemeinschaft Politische Psychologie
Institut für Soziologie und Sozialpsychologie
-Fach Sozialpsychologie-
Im Moore 21
30167 Hannover
Homepage: www.agpolpsy.de
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