Posts mit dem Label event werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label event werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 15. Januar 2012

PsySR 2012 Conference: Save the Date!!

Psychology and the Occupy Movement:  Synergies for Social Change
PsySR's 30th Anniversary Conference


July 12-14, 2012

School of International Service
American University
Washington, DC


A call for papers will be issued soon, with further details.  This year we celebrate PsySR's 30th Anniversary, and will have opportunities to reflect on our history as we look ahead.  We look forward to welcoming long-time members, new members and friends to this special event.  Some dormitory housing will be available on the American University campus, and we will be organizing other affordable housing alternatives in the area.  We hope to welcome many of you in July!

www.psysr.org

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Kongress Sexuelle Übergriffe / Straftaten männlicher Jugendlicher – Behandlung und Prävention

Einladung zur 9. Fachtagung und zum 2. Kongress
Sexuelle Übergriffe / Straftaten männlicher Jugendlicher – Behandlung und Prävention

Montag 28. November 2011
Rathaus Wien
Wappensaal, 1010 Wien, Lichtenfelsgasse 2, Feststiege II
Dienstag 29. November 2011
Europahaus
1140 Wien, Linzerstr. 42928.November 2011 im Rathaus
08.30 Ankommen , Anmelden
09.00–09.15 Begrüßung und einleitende Worte
09.15–10.00 „LIMES: 1998 bis 2011, Geschichte und Entwicklungen aus 13 Jahren
Behandlung“ » Peter Wanke, Mag., LIMES, Wien
10.00–11.00 „Erklärungsmodelle für sexuelle (Straf)taten“
» Ruud Bullens, Prof., Universität Leiden, Amsterdam
11.00–11.30 Pause
11.30–12.15 „Männlichkeit, Sexualität und Gewalt-Szenen aus dem Alltag“
» Günter Wagner, Mag., Männerberatung Wien, Christine Bodendorfer, DSA, Beratungsstelle für sexuell missbrauchte Mädchen, beide LIMES, Wien
12.15–14.00 Mittagspause
14.00–14.45 Parallelvorträge:
„Behinderte Täter? Eine Herausforderung für vernetztes Arbeiten

WORKSHOPS
A im Alltag; Menschen mit Lern- und geistigen Behinderungen –
ihr grenzverletzendes Verhalten verstehen und sie in den „grünen Bereich“ begleiten. » Monika Egli-Alge, lic. phil. I, Forensisches Institut Ostschweiz AG
B „Internetpornographie/sexueller Missbrauch in Bildern“
» Ruud Bullens, Prof., Universität Leiden, Amsterdam
15.00–15.45 Parallelvorträge:
„Prognose und Legalbewährung bei jugendlichen Sexualstraftätern im A Vergleich zu Erwachsenen“ » Reinhard Eher, Prof., Dr., Leiter der
Begutachtungs- und Evaluationsstelle für Gewalt- und Sexualstraftäter, Wien
B Zickenkrieg oder sexualisierte Gewalt? Formen, Ursachen und Reaktionen auf sexualisierte Gewalt durch jugendliche Täterinnen“
» Ursula Enders, Dipl.Päd., Zartbitter Köln
15.45–16.30 Raum für Austausch und Vernetzung

29. November 2011 im Europahaus
08.30 Ankommen , Anmelden
09.00–09.15 Begrüßung
09.15–10.00 „Das ist niemals witzig! Sexuelle Übergriffe durch Kinder und Jugendliche
in Institutionen“ » Ursula Enders, Dipl.Päd., Zartbitter Köln
10.00–10.45 „PRINZEN-ROLLE“ – Von Keksen und anderen Männlichkeiten, Prävention von sexuellen Übergriffen und Gewalt durch Jugendliche“
» Verein SELBSTLAUT gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Buben,
Vorbeugung – Beratung – Verdachtsbegleitung, Wien
10.45–11.15 Pause
11.15–12.30 Workshop I. Teil
12.30–14.00 Mittagspause
14.00–17.00 Workshop II. Teil
A Behinderte Täter? Eine Herausforderung für vernetztes Arbeiten im Alltag; Menschen mit Lern- und geistigen Behinderungen – ihr grenzverletzendes Verhalten verstehenund sie in den „grünen Bereich“ begleiten.
Wenn Menschen mit Lern- und geistigen Behinderungen im sexuellen Bereich Grenzen verletzen, so sind alle involvierten Berufsgruppen gleichermaßen gefordert. Das grenzverletzende Verhalten muss interdisziplinär verstanden werden, um einen Behandlungsplan zu erarbeiten, welcher den Bedürfnissen dieser Menschen gerecht wird. Im Workshop lernen Sie ein Konzept zur Diagnostik und Behandlung praxisnah kennen. » Monika Egli-Alge, lic. phil. I, Forensisches Institut Ostschweiz AG
B Bindungstheoretische Aspekte aus der Behandlung von jugendlichen Sexualstraftätern und ihr Nutzen für die Prävention.
Erkenntnisse aus der Bindungstheorie sind wichtige Elemente in der Behandlung von
jugendlichen Sexualstraftätern. Im WS werden theoretische Konzepte und die Umsetzung im
Programm vorgestellt. Gemeinsam mit den TeilnehmerInnen sollen Rückschlüsse auf die
Präventionsarbeit und Möglichkeiten diese zu nutzen, erörtert werden. » Peter Wanke, Mag., Limes Wien
C „Ist Sex ein Gefühl oder etwas anderes?“ Antworten, Signale, Haltung für die (Täter)Prä-vention in Kindergarten und Volksschule.
Eintauchen in verdeckte Botschaften, die wir Erwachsene täglich an Kinder senden zu den Themen Geschlecht, Identität, Herkunft, Sexualität, Norm und Abweichung, Tabu und Wert. Erarbeiten von Bausteinen für den pädagogischen Alltag, um möglichst jedes Kind sehen und stärken (und ggf. stoppen) zu können, damit sich keines auf Kosten anderer mächtig macht.
» Verein SELBSTLAUT gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Buben, Vorbeugung – Beratung – Verdachtsbegleitung, Wien
D Wenn die eigene Institution zum Tatort sexuellen Missbrauchs wird ...
In dem Workshop werden institutionelle Dynamiken nach der Aufdeckung sexuellen Missbrauchs durch ehren- und hauptamtliche MitarbeiterInnen reflektiert sowie Möglichkeiten der institutionellen Aufarbeitung sowie der Entwicklung präventiver Strukturen erarbeitet.
» Ursula Enders, Dipl.Päd., Zartbitter, Köln
E Sexismus und sexuelle Übergriffe unter Kindern u. Jugendlichen – Präventionsarbeit und Intervention in Schulklassen und Freizeiteinrichtungen
Im Workshop soll die Arbeit zum Thema Grenzen im Rahmen des sozialen Lernens und der
Sexualerziehung sowie die Notwendigkeit der pädagogischen Intervention bei Übergriffen
erörtert und reflektiert werden. Außerdem sind Sie eingeladen sich über „good practice“-
Modelle und Ihre Erfahrungen damit auszutauschen. » Oskar Kernstock, Schulberatungsteam, Stadtschulrat Wien
F Rollenbilder und Identitätssuche von männlichen Jugendlichen
Woran orientieren sich männliche Jugendliche, wenn reale (positive) Vorbilder nicht zur Verfügung stehen? Lebenswelten und -realitäten von Jugendlichen im Kontext von (Gewalt)-
Präventionsarbeit in Schulen und außerschulischen Jugendeinrichtungen, im Rahmen der Männerberatung Wien. » Bernd Kühbauer, DSA, Jugendarbeit, Männerberatung Wien
G Therapie im Gefängnis und wie Kooperation bei sexueller Gewalt gelingen kann.
Der Workshop zeigt, welche Modelle in Österreichs Gefängnissen entwickelt wurden, um Angehörige, Opfer, HelferInnen und Täter zusammen an einen Tisch zu bringen und was zum Erfolg einer solchen Vernetzung beiträgt. » Jonni Brem, Mag., Leiter der Männerberatung Wien

ANMELDESCHLUSS: 18. NOVEMBER 2011

Tagung Psychoanalyse im Dialog: Aktuelle neurowissenschaftliche Befunde

Tagung Psychoanalyse im Dialog:
Aktuelle neurowissenschaftliche Befunde
Samstag, 5. November 2011
Ort: Salzgries 16, 1010 Wien

Einleitungstext
Die Psychoanalyse – Neurowissenschafts–Debatte ist seit gut 15 Jahren
im Gange, es ist aber immer noch weithin eine Debatte der Experten.
Für viele klinisch tätige Psychoanalytiker ist der praktische Nutzen neuropsychoanalytischer
Erkenntnisse zweifelhaft, wenn ein solcher nicht überhaupt
bestritten wird. Immerhin: Dieser Dialog löst Jahrzehnte des
Schweigens, ja der erbitterten Feindschaft, zwischen diesen beiden Disziplinen
der Wissenschaft ab.
Viele Psychoanalytiker würden zwar im Allgemeinen zustimmen, dass
Fortschritte in den Neurowissenschaften für die Psychoanalyse von einer
gewissen Bedeutung sind. Schließlich betrachtete Freud z. B. den Trieb
als „eine Arbeitsanforderung, die dem Seelischen infolge seines Zusammenhangs
mit dem Körperlichen auferlegt ist“ (Freud 1915). Affekte
und Vorstellungsrepräsentanzen waren für Freud die wichtigsten Abkömmlinge
bzw. Ausdrucksformen des Triebes, sodass die Affekttheorie
und die kognitive Neurowissenschaft für die Grundfesten der psychoanalytischen
Theorie eine fundamentale Bedeutung haben müssen.
Doch findet sich in dem grundlegenden Interesse der meisten Psychoanalytiker
für die Fortschritte in den Neurowissenschaften dennoch eine gewisse
Ambivalenz. Manchmal besteht die Befürchtung, eine reduktionistische,
objektivierende und somato-zentrische Betrachtungsweise könnte
die spezifisch psychoanalytische, introspektive, auf der subjektiven Erfassung
des Unbewussten basierende Methode zurückdrängen oder gar ersetzen
wollen. Aus dieser Angst heraus entsteht dann manchmal eine
Haltung, die die neuesten Befunde der Neurowissenschaften mit Begeisterung
aufnimmt, solange sie sich als Bestätigung für Freudsche Thesen
verstehen lassen, die aber zu tiefer Skepsis führt, wenn neue Informationen
uns zu einem Überdenken oder Weiterentwickeln psychoanalytischer
Thesen herausfordern.
Nur wenn die Psychoanalyse mit vollem Selbstbewusstsein in den angesprochenen
Dialog mit den Neurowissenschaften eintritt, lassen sich die
befürchteten Gefahren weitgehend minimieren. Die Psychoanalyse hat
eine eigene Methode bei der Erfassung seelischer, v. a. unbewusster Vorgänge,
und gerade diese Eigenständigkeit macht sie für die Neurowissenschaften
zu einem interessanten Partner. Denn die Psychoanalyse kann den Neurowissenschaftern etwas zur Verfügung stellen, was diese selbst
nicht haben, nämlich eine systematische Wahrnehmung und Reflexion
subjektiver Vorgänge (v. a., wenn auch nicht ausschließlich, in der klinischen
Situation) und eine darauf basierende Modellbildung über den
psychischen Apparat. Die Psychoanalyse hat einen enormen und einzigartigen
Reichtum an klinischen Erfahrungen und Reflexionen zusammengetragen
und war und ist – bis in die Gegenwart – äußerst produktiv in
der Verarbeitung dieser klinischen Erfahrungen zu enorm komplexen
psychoanalytischen Denkmodellen. Diesen Reichtum kann der Psycho -
analyse niemand wegnehmen und er ist auch der Grund, warum bedeutende
Neurowissenschafter, wie etwa Nobelpreisträger Eric Kandel, der
Meinung sind, die Psychoanalyse sei „immer noch die schlüssigste und
intellektuell am meisten befriedigende Perspektive“ (Kandel 1999, 505)
auf die menschliche Persönlichkeit, Motivation und Emotion.
Die Tagung „Psychoanalyse im Dialog: Aktuelle neurowissenschaftliche
Befunde“ ist der Versuch, die Diskussion mit den Neurowissenschaften
mit genau jenem Selbstbewusstsein aufzunehmen bzw. weiter zu führen,
das zu einer echten Befruchtung der Gedankengänge in beiden Disziplinen
führen kann. Zuerst werden grundlegende Fragen aufgeworfen,
die den hierarchischen Aufbau des seelischen Apparates in der Psychoanalyse
mit analogen Konzeptionen in der Neurologie und der Evolutionsforschung
in Zusammenhang sehen. Es werden wichtige neurobiologische
Forschungsmethoden dargestellt und ihre Anwendung auf
psychologische, psychotherapeutische und psychoanalytische Fragestellungen
untersucht. Überlegungen werden angestellt, wie neurobiologische
Befunde unser Verständnis für menschliche Beziehungs- und
Übertragungsmuster bereichern können. Und schließlich werden aktuellste
Forschungsergebnisse referiert, die aus gegenwärtig laufenden
Studien über die klinische und neurobiologische Wirksamkeit psychoanalytischer
Behandlungen stammen.

Programm
Samstag, 5. November 2011
09:00 Eröffnung
Moderation: N. N.
09:15–09:45 Gerald Wiest: Neurale und mentale Hierarchien
09:45–10:00 Diskussion
10:00–10:30 Zsofia Kovacs: „Das ist kein Arm, das ist ein Gorilla“.
Psychoanalyse in der neurologischen Rehabilitation.
10:30–10:45 Diskussion
10:45–11:15 Pause
Moderation: Henriette Löffler-Stastka
11:15–11:45 Roland Beisteiner: Funktionelle Magnetresonanz
Tomographie als Instrument in der Psychotherapieforschung
11:45–12:00 Diskussion
12:00–12:30 Fritz Lackinger: Neurobiologie der Bindung und
das Konzept der Übertragung
12:30–12:50 Diskussion
12:50–14:00 Mittagspause

Moderation: Hemma Rössler-Schülein
14:00–14:40 Anna Buchheim: Befunde der Hanse-Neuropsychoanalyse
Studie: Neurobiologische Veränderungen bei depressiven
Patienten während einer psychoanalytischen Therapie
14:40–15:00 Diskussion
15:00–15:40 Tamara Fischmann: Neurowissenschaftliche Aspekte der
Frankfurter fMRI/EEG Depressions-Studie (FRED)
15:40–16:00 Diskussion
16:00–16:15 Pause
16:15–16:45 Stephan Doering: Psychische Struktur und Neuroimaging
16:45–17:00 Diskussion
17:00 Ende der Tagung
Das Programm im Einzelnen
Neurale und mentale Hierarchien
Gerald Wiest / Universitätsklinik für Neurologie, Wien
Die Entwicklung der Neurowissenschaften basiert seit ihren Anfängen auf
zwei unterschiedlichen Traditionen. Die „lokalisatorische“ oder „modulare“
Tradition bildet noch heute die Grundlage der modernen „cognitive
neurosciences“. Die „dynamische“ Tradition geht auf die hierarchischneurologischen
Konzepte von Hughlings Jackson zurück, die auch Freud
in der Konzeptualisierung des seelischen Apparates und der Metapsychologie
beeinflussten. Im Vortrag soll auf jene neurobiologischen Modelle
eingegangen werden, die auf hierarchisch-dynamischen Theorien aufbauen
und damit neue Ansatzmöglichkeiten zur Verbindung mit der
psychoanalytischen Metapsychologie gewährleisten.
„Das ist kein Arm, das ist ein Gorilla“.
Psychoanalyse in der neuro logischen Rehabilitation.
Fallbeispiel eines Jugendlichen mit Anosognosie und Asomatognosie
Zsofia Kovacs / Gottfried von Preyer’sches Kinderspital und Institut für
Computertechnik der TU Wien
In der Neuropsychoanalyse werden das klinische Erscheinungsbild der
Anosognosie (Leugnung der Lähmung) und der Asomatognosie (Verlust
der Fähigkeit zu erkennen, dass ein Körperteil zum eigenen Körper gehört)
mit Läsionen des rechten Parietallappens in Verbindung gebracht.
Es bestehen bereits Versuche, diese Phänomene mit den psychoanalytischen
Konzepten von Narzissmus, Verleugnung, Spaltung, Projektion in
Zusammenhang zu bringen. Wie verändert sich dieses Krankheitsbild im
Zuge einer Psychoanalyse? Kann man neurologische Phänomene tatsächlich
psychoanalytisch verstehen oder gar beeinflussen? In diesem Vortrag
wird über eine Psychoanalyse mit einem Adoleszenten mit schwerer neurologischer
Erkrankung berichtet, der zunächst psychotisch, dann anosognostisch
und dann neurotisch wurde. Anhand bevorzugter Abwehrmechanismen,
Instanzenentwicklung, und Übertragungsphänomenen
wird der Fall metapsychologisch untersucht.

Funktionelle Magnetresonanz Tomographie als Instrument in
der Psychotherapieforschung
Roland Beisteiner / Universitätsklinik für Neurologie, Wien
Der Vortrag stellt die Funktionsweise der funktionellen Magnetresonanztomographie
(fMRT) als modernes und nichtinvasives Verfahren zur
präzisen Lokalisation von Hirnaktivitäten im psychoanalytisch relevanten
Kontext dar. Sowohl bei gesunden Kontrollpersonen, als auch bei psychisch
Erkrankten mit morphologisch unveränderten Gehirnen, als auch
bei Patienten mit morphologisch veränderten Gehirnen, lassen sich
physiologische als auch pathologische Hirnaktivitäten darstellen. Dies betrifft
alle zuverlässig definierbaren Hirnfunktionszustände wie Emotion,
Traum, Empathie, aber auch neue diagnostische Möglichkeiten bei Konversionssymptomatik,
Angststörungen oder klinisch nicht reagierenden
Komatösen, wo residuale Wahrnehmung dokumentiert werden kann.
Neurobiologie der Bindung und das Konzept der Übertragung
Fritz Lackinger / Wiener Psychoanalytische Akademie
Es gibt inzwischen zahlreiche Studien, die das Konzept der Bindung mit
neurobiologischen Strukturen in Verbindung setzen. Bindungssicherheit
oder –unsicherheit scheint sich in einem weit über das Gehirn verteilten
neuronalen Netzwerk abzubilden. Bindungstraumata führen zu neurobiologisch
nachweisbaren Schäden, die zu einer nachvollziehbaren Beeinträchtigung
in der Entwicklung der Mentalisierungsfähigkeit führen. In
diesem Vortrag wird untersucht, wie sich diese Erkenntnisse auf das
psychoanalytische Verständnis der Übertragungsprozesse auswirken und
ob es eine klinische Relevanz der neurobiologischen Forschung gibt.
Befunde der Hanse-Neuropsychoanalyse Studie:
Neurobiologische Veränderungen bei depressiven Patienten während
einer psychoanalytischen Therapie
Anna Buchheim / Institut für Psychologie der Universität Innsbruck
Studien zur funktionellen Neuroanatomie der Wirkung psychotherapeutischer
Interventionen liegen bislang überwiegend für kognitiv-behaviorale
und interpersonelle Kurzzeittherapien im prä-post-Design vor. Untersuchungen
zum Effekt von psychoanalytischen Therapien im Prozess und
Langzeitverlauf fehlen bisher. Die Hanse Neuro-Psychoanalyse-Studie
greift erstmals dieses Forschungsdesiderat bei chronisch depressiven
Patienten auf. Der Vortrag berichtet über die ersten Ergebnisse zu den
neuronalen Korrelaten von Bindung bei depressiven Patienten vor und
nach 15 Monaten Behandlung.
Neurowissenschaftliche Aspekte der Frankfurter fMRI/EEG
Depressions-Studie (FRED)
Tamara Fischmann / Sigmund Freud Institut Frankfurt
Das Hauptziel der Frankfurter fMRI/EEG Depressions-Studie ist es, Effekte
medikamentöser und/oder psychotherapeutischer Interventionen auf
Hirnfunktionen zu untersuchen.
Wir als Psychoanalytiker bedienen uns hier der neuen Methoden der bildgebenden
Verfahren, um nachhaltige Ergebnisse dieser Behandlungen
auch neurobiologisch nachzuweisen. Neben neurobiologischen Veränderungen
erfassen wir in FRED auch Veränderungen in der Schlafeffizienz,
den Träumen und zentralen Beziehungskonflikten chronisch Depressiver
im Verlauf einer Therapie. Die hierzu angewandten Methoden zur Erfassung
der Veränderungen werden anhand der Studie erläutert.

Psychische Struktur und Neuroimaging
Stephan Doering / Universitätsklinik für Psychoanalyse und Psychotherapie
Das psychoanalytische Strukturkonzept hat jüngst in mehrfacher Hinsicht
einen Aufschwung erlebt. Zum einen wurden aus der psychoanalytischen
Tradition heraus einige valide und reliable Instrumente zur Erfassung der
Struktur entwickelt, zum anderen wird höchstwahrscheinlich die fünfte
Auflage des Diagnostischen und Statistischen Manuals psychischer Störungen
(DSM-5) der American Psychiatric Association eine diagnostische
Dimension „personality functioning“ enthalten, die psychoanalytische
Strukturkonzepte direkt übernimmt. Vor diesem Hintergrund liegt es
nahe, psychische Struktur als ein Erfolgskriterium in psychoanalytischen
Therapiestudien einzusetzen und darüber hinaus zu untersuchen, ob sich
neurobiologische Korrelate psychischer Struktur in Bildgebungsstudien
nachweisen lassen. Die ersten empirischen Daten zu diesen Fragestellungen
erscheinen vielversprechend und dürften die psychoanalytische
Psychotherapieforschung in Zukunft beeinflussen.

Referenten
Roland Beisteiner
Ao. Univ. Prof., MD, MA, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Professor
für Neurologie Med. Univ. Wien, Leiter der AG klinische funktionelle
Magnetresonanztomographie (fMRT), Mitbegründer und derzeit 2. Prä -
sident der Österreichischen Gesellschaft für fMRT, Mitgliedschaften in
zahlreichen internationalen wissenschaftlichen Vereinigungen, zahlreiche
einschlägige Publikationen zum Thema Methodik und klinische Anwendung
der fMRT.
Anna Buchheim
Univ.-Prof. Dr. Dipl. Psych., Lehrstuhl für Klinische Psychologie II an der
Universität Innsbruck; Psychoanalytikerin (DPV/IPA); habilitiert für Psychosomatische
Medizin, Psychotherapie und Medizinische Psychologie an
der Universität Ulm; Vizepräsidentin der Gesellschaft für Persönlichkeitsstörungen
(GEPS), Wissenschaftliche Leiterin des Psychotherapeutischen
Propädeutikums in Schloss Hofen, Forschungsschwerpunkte: Klinische
Bindungsforchung, Psychotherapieforschung, Neurobiologie, Psychoanalyse;
Mitherausgeberin der Zeitschrift Persönlichkeitsstörungen: Theorie
und Therapie.
Stephan Doering
Univ.-Prof. Dr. med. Stephan Doering ist Psychoanalytiker, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin sowie Facharzt für Psychosomatik
und Psychotherapie. Er leitet seit Januar 2011 die Klinik für
Psychoanalyse und Psychotherapie der Medizinischen Universität Wien.
Forschungsschwerpunkte sind Psychotherapieforschung, Diagnostik und
Behandlung von Persönlichkeitsstörungen sowie neurobiologische Aspekte
psychischer Störungen. Mitherausgeber der Zeitschrift Persönlichkeitsstörungen:
Theorie und Therapie und der Zeitschrift für Psychosomatische
Medizin und Psychotherapie. Letzte Buchpublikation: Doering, St. & Hörz,
S: Handbuch der Strukturdiagnostik: Konzepte, Instrumente, Praxis.
(Schattauer 2011).

Tamara Fischmann
Dr. rer. med. Dipl.-Psych. Psychoanalytikerin (DPV/IPA); arbeitet als wissenschaftliche
Mitarbeiterin am Sigmund-Freud-Institut, Frankfurt und ist
niedergelassene Psychoanalytikerin in eigener Praxis. Im Dezember 2010
wurde sie mit dem Thema: „Ethical dilemmas due to prenatal and genetic
diagnostics“ habilitiert, womit ein Themenschwerpunkt ihrer wissenschaftlichen
Arbeit abgesteckt wäre, nämlich der interdisziplinäre Dialog
zwischen Psychoanalyse und ihren Nachbarwissenschaften, hier Ethik,
Medizin und Biotechnologie. Ein weiterer Themenschwerpunkt ihrer
Arbeit sind Träume und die Neurowissenschaften. Aus diesem Themenkreis
geht die FRED-Studie hervor.
Zsofia Kovacs
Mag. MSc.; Kandidatin der WPV; Klinische- und Gesundheitspsychologin;
Master in Clinical Neuroscience in Bangor/Wales; Neuropsychologin an
der Neurorehabilitationsstation für Kinder und Jugendliche im Gottfried
von Preyer'schen Kinderspital. Psychoanalytikerin in Ausbildung unter
Supervision in freier Praxis, Studien & Publikationen im Bereich der Neuropsychoanalyse,
Vorträge bei internationalen Kongressen über klinische
Aspekte der Neuropsychoanalyse. Beratungstätigkeit im Projekt ARS am
Institut für Computertechnik der TU Wien.
Fritz Lackinger
Priv.-Doz. Dr., Psychoanalytiker und Lehrbefugter des Wiener Arbeitskreises
für Psychoanalyse (IPA); habilitiert für klinische Psychologie,
Psychotherapie und Psychoanalyse an der Universität Klagenfurt; Supervisor
des TFP-Instituts Wien; Psychotherapeutischer Leiter des Forensisch-
Therapeutischen Zentrums Wien; Geschäftsführer der Wiener
Psychoanalytischen Akademie; Zahlreiche Zeitschriftenartikel zu den
Bereichen forensische Psychoanalyse, Übertragungsfokussierte Psychotherapie
(TFP) und Geschichte der Psychoanalyse. Buch: Psychodynamische
Psychotherapie bei Delinquenz (Schattauer 2008).
Gerald Wiest
Ao. Univ.-Prof. Dr., Facharzt für Neurologie und Psychiatrie und Psycho -
analytiker (WPV/IPA); Professor für Neurologie AKH Wien; Leiter der
Neurologischen Ambulanz AKH; Corresponding Active Member der American
Academy of Neurology und der Society for Neuroscience; Research
Fellow der International Psychoanalytic Association. Forschungsinteresse:
Behavioral Neurology, Neuropsychoanalyse; Bücher: Hierarchien in Gehirn,
Geist und Verhalten (Springer, 2009).

Kosten und Anmeldung
Teilnahmegebühr
Normaler Tarif 50,- Euro
Ermäßigter Tarif für Studierende 20,- Euro
Inskriptionsbestätigung bitte an:
Wiener Psychoanalytische Akademie
Salzgries 16/3, 1010 Wien
Die Anmeldung erfolgt per Mail an Frau Seibert
Wiener Psychoanalytische Akademie: office@psy-akademie.at
Die Teilnahmegebühr ist auf folgendes Konto einzuzahlen:
Wiener Psychoanalytische Akademie
Bank Austria – UniCredit Group
BLZ: 12000
Kto-Nr.: 52854 334 501

Mittwoch, 21. September 2011

Tagung: Das Geschäft mit der Angst. Rechtspopulismus, Muslimfeindlichkeit und die extreme Rechte in Europa

Europaweit sind Rechtsaußenparteien auf dem Vormarsch. Besonders in Westeuropa kommt in diesen Kreisen ein kulturreligiös verklausulierter Rassismus zum Vorschein: Mit Kampagnen gegen Moscheebauten, Minarette oder gegen das Kopftuch versuchen sie, Zustimmung zu gewinnen. Dabei stellen sich die unterschiedlichsten Fragen:
Wo sind dabei die Grenzen zwischen sogenannten populistischen und extrem rechten Gruppierungen?
Wo liegen die Übergänge von Vorurteilen zu einem rassistischen Weltbild?
Vollzieht sich eine transnationale propagandistische Neuformierung von Rechtsaußen?
Welche Handlungsanforderungen lassen sich aus diesen Entwicklungen ableiten?

Diese und andere Punkte sollen auf der Tagung "Das Geschäft mit der Angst. Rechtspopulismus, Muslimfeindlichkeit und die extreme Rechte in Europa", die am 14.-15. Oktober 2011 im Forum Volkshochschule im Rautenstrauch-Joest-Museum Köln stattfindet, diskutiert werden.
Veranstalter sind die Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, der Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus/Neonazismus der Fachhochschule Düsseldorf und die Volkshochschule Köln in Kooperation mit dem Kölner Forum gegen Rassismus und Diskriminierung.
Fragen zu diesem Thema werden nicht nur in Wissenschaft, Politik und Medien kontrovers diskutiert, sondern sind auch in der Praxis der Bildungs-, Antidiskriminierungs- und Sozialarbeit von großer Bedeutung. Auf der Tagung sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede rechtspopulistischer und rassistischer Formationen in Westeuropa analysiert werden. Insbesondere sollen dabei die islamfeindliche Propaganda und ihre Möglichkeiten und Grenzen vor dem Hintergrund eines gesamtgesellschaftlichen Entwicklungsprozesses Gegenstand der Diskussion sein. Nicht zuletzt sollen städtische und zivilgesellschaftliche Aktivitäten gegen Rassismus miteinander verglichen und Möglichkeiten gemeinsamer Handlungsstrategien diskutiert werden.

Um eine schriftliche Anmeldung per Post, Fax oder E-Mail wird gebeten
NS-Dokumentationszentrum
Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus (ibs)
Appellhofplatz 23 - 25
50667 Köln
Fax: 0221/221-25512
E-Mail: ibs[at]stadt-koeln.de 

Vortrag in Berlin: Den Widerstand proben. Wie emanzipatorisch ist das Milgram-Experiment?

ARBEITSBEREICH SUBJEKTWISSENSCHAFT UND KRITISCHE PSYCHOLOGIE FU BERLIN
in Zusammenarbeit mit der
GESELLSCHAFT FÜR SUBJEKTWISSENSCHAFTLICHE FORSCHUNG UND PRAXIS
Vortrags- und Diskussionsveranstaltung
mit
Dipl.-Psych. Michael Zander

„Den Widerstand proben. Wie emanzipatorisch ist das Milgram-Experiment?“
Samstag, 01. Oktober 2011, 19.00 Uhr
Helle Panke, Kopenhagener Str. 76, 10437 Berlin (Prenzlauer Berg)Samstag, 01.

Das erstmals vor 50 Jahren durchgeführte „Milgram-Experiment“ zum Autoritätsgehorsam ist mittlerweile nicht nur zum „Klassiker“ avanciert, es gehört auch zu den wenigen Untersuchungen der akademischen Psychologie, die über Fachkreise hinaus berühmt geworden sind.
Dies dürfte zum einen daran liegen, dass es thematisch interessant ist: Milgram knüpfte kritisch an die Arbeiten seines Doktorvaters Solomon Asch an und beanspruchte, damit einen Beitrag zur Erklärung des Faschismus sowie des Verhaltens von US-Soldaten in Vietnam zu leisten. Zum anderen handelt es sich um ein höchst ungewöhnliches Experiment, das sich methodisch nicht ohne Weiteres in den psychologischen Mainstream einordnen lässt: So enthält es keine Prüfung einer allgemeinen Hypothese, vielmehr werden die Versuchsbedingungen probierend variiert; Milgrams Theorie des Gehorsams erklärt die Ergebnisse nachträglich, und die Versuchspersonen werden an der Interpretation ihres Verhaltens beteiligt, wenngleich der Versuchsleiter das letzte Wort behält. Kritikerinnen und Kritiker der Psychologie stehen dem Experiment zwiespältig gegenüber. Einerseits werden die Vpn einer sie z.T. erschütternden Manipulation unterworfen, andererseits berichten viele von ihnen von einer lehrreichen Erfahrung. Das Experiment berührt ein Kernthema der Kritischen Psychologie, nämlich die Alternative von Anpassung oder Widerstand in der Konfrontation mit Herrschaft.

Markard (2009) gelangt in seiner Diskussion des Milgram-Experiments und anderer Untersuchungen zu dem Schluss: „Der entscheidende Punkt ist der, dass derartige Befunde dazu beitragen können, dass diejenigen, die sie kennen, dieses Wissen nutzen können, wenn sie in eine vergleichbare Situation geraten.“ (S. 52) Und auch Holzkamp (1983, 572) deutet an, „widerständige“ Bedingungen im Kampf um Verfügungserweiterung ließen sich möglicherweise experimentell untersuchen. Enthält das Milgram-Experiment möglicherweise Elemente, die in kritisch-psychologische Forschung eingehen könnten?

Michael Zander ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Gerontologische Forschung e.V., Mitglied des Graduiertenkollegs „Multimorbidität im Alter“ an der Berliner Charité und Doktorand der Psychologie an der FU Berlin.

Dienstag, 28. Juni 2011

Axel Honneth Vortrag "Die demokratische Sittlichkeit wirtschaftlichen Handelns"

Wird sicher ein fades Gewäsch: Sozialphilosoph Axel Honneth in Wien

Am Dienstag, 12. Juli 2011, 19 Uhr, hält der Sozialphilosoph Axel Honneth einen Vortrag "Die demokratische Sittlichkeit wirtschaftlichen Handelns" im Kassensaal der OeNB.

Axel Honneth wird in seinem Vortrag auf die Grundzüge seiner Gerechtigkeitstheorie eingehen. In der zweiten Juliwoche erscheint dazu auch seine aktuelle Publikation "Das Recht der Freiheit. Grundriss einer demokratischen Sittlichkeit" im Suhrkamp Verlag (Berlin). Honneth geht insbesondere auf normative Fragen des marktvermittelten Wirtschaftshandelns ein und handelt dabei das Verhältnis von Gerechtigkeit und Freiheit in der modernen Ökonomie ab. Er unternimmt den Versuch, die Gerechtigkeitstheorie als Gesellschaftsanalyse neu zu begründen.

Axel Honneth, geb. 1949, ist Professor für Sozialphilosophie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und an der Columbia University New York. Honneth ist Schüler von Jürgen Habermas und Vertreter der "Frankfurter Schule". Seit 2001 leitet er das von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno in den 1950er Jahren neubegründete Institut für Sozialforschung (IfS) an der Goethe-Universität in Frankfurt. Er gilt weltweit als einer der renommiertesten Sozialphilosophen der Gegenwart.

 Vortrag "Die demokratische Sittlichkeit wirtschaftlichen Handelns"

Zeit: Dienstag, 12. Juli 2011, 19 Uhr

Ort: Kassensaal der Oesterreichischen Nationalbank, Otto-Wagner-Platz 3, 1090 Wien

 Laudatio von Jürgen Habermas: http://www.zeit.de/2009/30/Philosoph-Honneth/komplettansicht

Kongress Die Unberechenbarkeit des Subjekts

AK kritische Psychologie stellt sich seit einiger Zeit der spannenden Herausforderung, den Kongress zum Verhältnis von kritischer Psychologie und qualitativer Forschung „Die Unberechenbarkeit des Subjekts“, der vom 21.-24.Juli 2011 in Frankfurt am Main stattfinden wird, zu organisieren: http://unberechenbarkeit.wordpress.com/

Montag, 27. Juni 2011

Konferenz: Die Kunst der Freiheit Autonomie und Engagement nach Sartre und Adorno


II. Konferenz im Herbst in Wien

Die Kunst der Freiheit
Autonomie und Engagement nach Sartre und Adorno


Konferenz, 30. September bis 2. Oktober 2011
Veranstaltet von der Sonntagsgesellschaft Wien
Nachstehend der Einladungstext und das Programm. Alle weiteren Informationen unter http://sonntagsgesellschaft.org/

Einladung:

In Deutschland, so Adorno, laufe das Engagement vielfach auf "Geblök" hinaus, auf das, was ohnehin alle sagen, oder wenigstens latent alle gern hören möchten. Im Gestus des Anredens stecke schon "heimliches Einverständnis" mit den Angeredeten, die doch allein dadurch noch aus der "Verblendung" zu reißen wären, dass man dieses Einverständnis aufsagt.

Dass es sich in Frankreich anders verhält, dafür stand einmal Jean-Paul Sartres Philosophie. Jenes Einverständnis zu kündigen, war ihr Engagement: Indem dieses Denken zunächst postulierte, der Mensch sei "nichts anderes als das, wozu er sich macht" und die erste Absicht des Existenzialismus bestehe darin, "ihm die totale Verantwortung für seine Existenz aufzubürden", stieß es all jene vor den Kopf, die sich auf "Ursachen" für politische Verfolgung und Massenmord hinausreden wollten: Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit etc. Das heißt, Sartres Engagement suchte zu verhindern, dass der Nationalsozialismus nach seiner Niederlage endgültig triumphiert: im fanatischen Glauben an die Determiniertheit des Menschen. Dagegen wandte Adorno ein, solcherart Existenzialismus unterschlage die existierende Unfreiheit der Individuen in der modernen "Tauschgesellschaft" - und die einzige Forderung, die ohne Unverschämtheit erhoben werden dürfe, "wäre die, daß der ohnmächtige Einzelne durchs Bewußtsein seiner Ohnmacht doch seiner selbst mächtig bleibe".

Was Sartre und Adorno sich jeweils erwarteten von Literatur und Kunst, Film und Musik, war von diesem Gegensatz in der Auffassung der Freiheit bestimmt. Adorno verlangte eine ästhetische Autonomie, in der die Ohnmacht des Einzelnen radikal zum Ausdruck kommen könnte, Sartre eine engagierte Literatur, die das Individuum jederzeit als das zeigt, wozu es sich macht, und damit verantwortlich für diese Gesellschaft. Durch die Fronten des Kalten Kriegs und die politischen Auseinandersetzungen um 1968, die auch Sartres Blick in vieler Hinsicht trübten, sind diese Fragen eigenartig verstellt worden: die Autonomie einer modernen, abstrakten, avantgardistischen Ästhetik des Westens wurde dem Engagement einer an politische Parteien und soziale Bewegungen gebundenen, realistischen Gebrauchskunst entgegensetzt. So hatten Strukturalismus und Poststrukturalismus leichtes Spiel, die Frage von Freiheit und Unfreiheit als Scheinfrage des Subjekts mit diesem selber zu entsorgen. Wird aber heute Engagement und Autonomie in der Kunst zum Thema, so entsteht der Eindruck, es handle sich um Spielereien, die der Kulturindustrie um nichts nachstehen. Autonomie wird nicht mehr als Form begriffen, in der allein die Unfreiheit des heteronomen Individuums erscheinen kann; und Engagement stößt niemanden mehr vor den Kopf, sondern hämmert meist den Köpfen ein, was ohnehin die Mehrheit denkt: dass die "Globalisierung", die von den USA und vom Westen betrieben werde, alles determiniere und die eigentliche Ursache des Terrorismus sei; der "Staatsterrorismus", den Israel ausübe, der Kern des Problems sei.

Einst brachte Kafka die Staatsräson des "Realen Sozialismus" in Bedrängnis, und Brecht wurde im Westen verhindert. Nun fährt Peymann mit der Mutter Courage zu einem Gastspiel des Berliner Ensembles nach Teheran, wo die Auslöschung Israels beschlossene Sache ist, und Robert Redeker, Redaktionsmitglied von Sartres Temps Modernes, muss mitten in Europa wie im Untergrund leben, weil er den Islam kritisiert hat. War es für Sartre noch Gewissheit, dass man keinen guten Roman zum Lob des Antisemitismus schreiben könne, versuchte es dreißig Jahre später Martin Walser, und das zustimmende "Geblök" ließ nicht auf sich warten. Und wenn eine aufgebrachte Menge von Antizionisten die Vorführung des Films Pourquoi Israël von Claude Lanzmann verhindern will, nimmt es wie von allein gewaltsame Formen an - so geschehen in Hamburg im November 2009.

Der Antisemitismus entspricht, wie Sartre und Adorno wussten, dem Hass auf alles Individuierte, den beide zu spüren bekamen; im Antisemitismus offenbart sich, was man vom Individuum hält und dass man jederzeit bereit ist, es der "Meute" (Deleuze) auszuliefern, die als Abstammungs- und Glaubensgemeinschaft auftritt. Für diesen "Tod des Subjekts" findet man dann in der Ideologie der multikulturellen Gesellschaft den geeigneten Ansprechpartner. Dem falschen Universalismus heutiger "Wutbürger" aber, der sich durch Bestseller wie Der kommende Aufstand und Empört Euch! anheizen lässt, wird die Konferenz einen Begriff von Weltliteratur entgegensetzen, der dem einzelnen Individuum nicht bloß als abstrakt Gleichem, vielmehr in der Evokation seiner Leiblichkeit - und das heißt: Verletzbarkeit wie Lust - zum Ausdruck verhilft. Nur durch diese im Ausdruck, in der ästhetischen Form festgehaltene Erfahrung lässt sich überhaupt verhindern, dass Versöhnung, Freiheit, das uneingelöste Glücksversprechen der bürgerlichen Gesellschaft ... zu Phrasen werden. "Wie kann ein Ganzes sein, ohne dass dem einzelnen Gewalt angetan wird" - so formulierte Adorno einmal die Frage "aller Musik": es ist auch die Frage allen Engagements.

Die Konferenz will die Fragen, die Adorno und Sartre stellten, wieder freilegen, und dabei zugleich an ihre Auffassung und Analyse von Literatur, Kunst und Musik anknüpfen. Kontroversen und Werkbetrachtungen sollen klären, ob heutige ästhetische und politische Differenzen mit Sartres und Adornos Kategorien aufgeschlüsselt werden können.

Sonntagsgesellschaft
Wien, im Juni 2011

Programm:

Freitag, 30. September 2011
INSTITUT FRANÇAIS DE VIENNE (
Währinger Straße 30)

18:00 Uhr
Die Kunst der Freiheit

Begrüßung: Jean-Claude Crespy, Kulturattaché, Institut Français de Vienne

Einleitung und Moderation:
Renate Göllner, Joel Naber

Ein Abend mit
Chahdortt Djavann (Autorin, Paris, Frankreich)
Boualem Sansal (Autor, Bourmedès, Algerien)

Samstag, 1. Oktober
VOLKSHOCHSCHULE HIETZING (
Hofwiesengasse 48)

10:00 - 12:30 Uhr

Begrüßung: Robert Streibel, Direktor der VHS Hietzing

1. Podium: Flaubert, Sartre, Adorno: Begriffsbestimmungen
Tjark Kunstreich (Moderation): Gegenwart, Epoche und Neurosenwahl bei Flaubert und Sartre
Vincent von Wroblewsky (Berlin): Situation und Subjekt
Manfred Dahlmann (Freiburg/Brsg.): Ästhetik, wozu? Adornos "Vorrang des
Objekts" als notwendige Basis vernünftigen Engagements

14:00 - 15:30 Uhr
2. Podium: Kunst vs. Engagement?

Jan Gerber (Leipzig): Mit Benjamin gegen Adorno - Kunst, Recycling, Entsorgung
Magnus Klaue (Berlin): Désengagement. Vom Veralten eines Begriffs mit Rücksicht auf Celan, Enzensberger und Adorno
Moderation: Gerhard Scheit

16:00 - 17:30 Uhr
3. Podium: Das Ressentiment gegen das Kunstwerk

Till Gathmann (Leipzig): Hot shit. Bildende Kunst heute.
Joel Naber (Berlin/Wien): Das Subjektive als schmutzige Phantasie. Zur Tabuisierung der individuellen Erfahrung in der Kunst
Moderation: Justus Wertmüller

18:00 - 19:30 Uhr
4. Podium: Ästhetische Erfahrung im Krisenzusammenhang

Irene Lehmann (Berlin): Das Engagement der Form. Unverständlichkeit als politisch-ästhetische Kategorie in den Kompositionen Luigi Nonos
Clemens Nachtmann (Graz): Autonomie als Programm. Über die Anfänge der neuen Musik bei Beethoven und Berlioz
Moderation: Gerhard Scheit

Sonntag, 2. Oktober
INSTITUT FRANÇAIS DE VIENNE (
Währinger Straße 30)

10:00 - 12:30 Uhr
5. Podium: Der Kitsch, die Kunst, das Grauen. In Erinnerung an Esther Marian

Lesung Esther Marian (1977 - 2011): Das Pfeifen im Walde. Über Kracauer und Adorno
Niklaas Machunsky (Köln): Utopie oder Dystopie. Zeit und Raum der Gesellschaftskritik
Philipp Lenhard (München): Liebe als Einspruch. Über Nadeem Aslams Portraits islamischer Gesellschaften
Moderation: Ljiljana Radonic

14:00 - 16:30 Uhr
6. Podium: Lanzmann vs. Godard

Christoph Hesse (Berlin): Lanzmann içi et Godard ailleurs
Gerhard Scheit (Wien): "... ihr habt den Tod gehasst." Claude Lanzmann und die Darstellung politischer Gewalt
Alex Gruber (Wien): "Palästina strebt nach Unabhängigkeit, wie das Kino." Jean-Luc Godards Engagement gegen die Filmindustrie
Moderation: Elisabeth Uebelmann

17:00 - 18:30 Uhr
7. Podium: Der (anti)autoritäre Charakter in der Literatur

Florian Ruttner (Wien): "Schlafwandler" und "gebrochener Zombie". Autoritärer Charakter und bürgerliche Subjektivität bei Hermann Broch und Boualem Sansal
Karl Weidenau (Gießen): "Der Name der neuen Religion ist UNTERWERFUNG." Ideologiekritik und Ethnopluralismus im Werk Salman Rushdies
Moderation: Manfred Dahlmann

19:00 - 20:30 Uhr
8. Podium: Das Individuum und die Weltliteratur

Robert Redeker: Das Verschwinden der Innerlichkeit des Subjekts: Das Ende der Literatur?
Justus Wertmüller (Berlin): Die Weltliteratur und ihre Feinde
Moderation: Renate Göllner und Joel Naber


http://sonntagsgesellschaft.org/

2 Vorträge: Fundamentale Wertkritik versus Ideologiekritik. Was folgt aus dem Marxschen Fetischbegriff? & Über den Fetischcharakter in der Theorie und die Regression der Kritik. Zu Adornos Ausweichmanöver gegenüber dem Materialismus

Fundamentale Wertkritik versus Ideologiekritik. Was folgt aus dem Marxschen Fetischbegriff?
Vortrag von Stephan Grigat bei der Tagung "Wiederkehr der Dinge. Zur Aktualität des Fetischbegriffs"
Donnerstag, 30. 6. 2011, 16:30 Uhr
Institut für die Wissenschaft vom Menschen, Spittelauer Lände 3, 1090 Wien

Über den Fetischcharakter in der Theorie und die Regression der Kritik. Zu Adornos Ausweichmanöver gegenüber dem Materialismus
Vortrag von Gerhard Scheit bei der Tagung "Wiederkehr der Dinge. Zur Aktualität des Fetischbegriffs"
Freitag, 1. 7. 2011, 12:15 Uhr
Institut für die Wissenschaft vom Menschen, Spittelauer Lände 3, 1090 Wien
_____________________

Dienstag, 21. Juni 2011

17.-20.11.2011 Workshop "Und was hat das mit mir zu tun?" http://critpsych.blogspot.com


Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI)
Büro trafo.K & Dirk Rupnow
in Kooperation mit Mauthausen Memorial
mit Unterstützung von 
Fondation pour la Mémoire de la Shoah, Paris
»Und was hat das mit mir zu tun?«
Perspektiven der Geschichtsvermittlung zu Nazismus und Holocaust
in der Migrationsgesellschaft
WORKSHOP / WISSENSCHAFTLICHE KONFERENZ
Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog, Wien
17.–20. November 2011
Die Erinnerung an den Nazismus und seine Massenverbrechen, die ein zentraler Bestandteil österreichischen (und europäischen) Geschichtsbewusstseins sowie ein zentrales Handlungsfeld für österreichische (und europäische) Identitäts- und Geschichtspolitik ist, befindet sich derzeit in einem tiefgreifenden Wandlungsprozess. Erinnerungskulturen verändern sich derzeit nicht nur vor dem Hintergrund des generationellen Wechsels und internationaler Politiken, sondern nicht zuletzt auch auf Grund von Migration: Dies bringt eine Diversifizierung der Perspektiven mit sich und verweist auf unterschiedliche historische Erfahrungen, Erinnerungen und Tradierungen. So fordert der Fokus auf die Realität der postkolonialen, postnazistischen Migrationsgesellschaft Selbstverständnisse und Erinnerungskulturen der Mehrheitsgesellschaft heraus. Doch obwohl die Geschichte von Nazismus, Holocaust und Zweitem Weltkrieg voller transnationaler Bezüge ist, bleiben diese häufig in der klassischen Geschichtsvermittlung in Schulen oder Gedenkstätten unbeachtet. Vor allem im Schulunterricht dominiert immer noch der national formatierte Blick auf die Vergangenheit.
Eine differenzierte Auseinandersetzung mit den spezifischen Perspektiven für Geschichtsvermittlung zum Nazismus, seinen Massenverbrechen und dem Zweiten Weltkrieg in Migrationsgesellschaften stellt ein Desiderat dar. Die Veranstaltung möchte das Thema in seinen europäischen und globalen Kontexten diskutieren und seine unterschiedlichen Dimensionen ausloten. Neben pädagogischen sollen dabei auch spezifisch museologische Implikationen, etwa für die Gedenkstättenarbeit, berücksichtigt werden. Eingeladen werden deutschsprachige und internationale ExpertInnen aus den Gebieten Geschichtsvermittlung, Migrationspädagogik und Museologie bzw. Gedenkstättenarbeit, HistorikerInnen, PolitologInnen und Kultur- und SozialwissenschafterInnen.
Geplant ist eine Mischung aus Workshop und Konferenz, die der Komplexität des Themas und dem dementsprechenden Diskussions- und Gesprächsbedarf Rechnung trägt. Nach einem eröffnenden Abendvortrag sollen in einem Workshop-Segment drei Themenfelder mit den geladenen ExpertInnen diskutiert werden: 1) Marginalisierte Erinnerungen zu Nazismus, Zweitem Weltkrieg und Holocaust; 2) Geschichtsvermittlung in postnazistischen Migrationsgesellschaften; 3) Gedenkstätten als Kontaktzonen. Das darauf folgende Konferenz-Segment widmet sich den drei Themen in drei aufeinander folgenden Panels. Diese beginnen jeweils mit kurzen Keynote Lectures, die von weiteren ExpertInnen kommentiert und dann im Plenum diskutiert werden. Dabei können die Gespräche aus den Workshops einfließen.
Die Anzahl der Workshop-Plätze ist begrenzt. 
Die Anmeldungen werden nach der Reihenfolge ihres Eintreffens berücksichtigt.
Die Teilnahme ist kostenlos.
Anmeldung bitte per Email mit kurzer Angabe des eigenen Arbeitsfeldes bzw. spezifischen 
Interesses am Thema an: anmeldung@trafo-k.at.
Die Veranstaltung steht im Zusammenhang mit dem Forschungs- und Vermittlungsprojekt 
»›Und was hat das mit mir zu tun?‹ Transnationale Geschichtsbilder zur NS-Vergangenheit«, 
das im Rahmen des »Sparkling Science«-Programms des Bundesministeriums für Wissenschaft 
IDEE & KONZEPTION
Büro trafo.K 
[Renate Höllwart – Elke Smodics-Kuscher – Nora Sternfeld, MA – Mag.a Ines Garnitschnig]
Ansprechpartnerin: Renate Höllwart
Münzwardeingasse 3/4a
A – 1060 Wien 
Tel: +43 / 1 / 585 49 79
Priv.-Doz. Mag. Dr. Dirk Rupnow
Institut für Zeitgeschichte
Universität Innsbruck
Innrain 52
A – 6020 Innsbruck
Tel: +43 / 512 / 507–4408
Fax: +43 / 512 / 507–2889
REALISATION
Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI)
Dr. Béla Rásky
Mag. Greta Anderl
Desider-Friedmann-Platz 1/18
A – 1010 Wien
Tel: +43 / 1 / 8901514-0
Fax: +43 / 1 / 2533033-4069

Sonntag, 19. Juni 2011

Lernen als Erfahrung: Neurowissenschaftliche und pädagogische Antworten?=

Käte Meyer-Drawe (Bochum):
Lernen als Erfahrung? Neurowissenschaftliche und pädagogische Antworten
Respondenz: Gudrun Kern (Wien)
Neurowissenschaftler arbeiten oft mit einem Alltagsverständnis von Lernen
und ignorieren pädagogisches Expertenwissen. Umgekehrt überlassen Pädagogen
ihnen die gesamte Fachkompetenz, ohne dabei die Aussagen der Hirnforschung
im Hinblick auf ihre Reichweite zu prüfen. Daraus resultieren
Trivialisierungen auf beiden Seiten, die dem Phänomen des Lernens nicht
gerecht werden können. Der Vortrag wird sich dieser problematischen Lage
widmen und Auswege diskutieren.

Käte Meyer-Drawe, Professorin für Allgemeine Pädagogik im Institut für
Erziehungswissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum; ausgewählte Bücher:
Leiblichkeit und Sozialität. Phänomenologische Beiträge zu einer
pädagogischen Theorie der Inter-Subjektivität. München 2001; Illusionen von
Autonomie. Diesseits von Ohnmacht und Allmacht des Ich. München 2002;
Menschen im Spiegel ihrer Maschinen. München 2002, Diskurse des Lernens.
München 2008.
Gudrun Kern ist Erziehungswissenschafterin mit den Schwerpunkten Allgemeine
Erziehungswissenschaft und Medienpädagogik. Derzeit ist sie
Projektassistentin in der Abteilung Bildung, Biographie und Medien des
Instituts für Bildungswissenschaft der Universität Wien.


Freitag, 1. Juli, 9.00–12.00 Uhr, IWK
ExpertInnengespräch mit Käte Meyer-Drawe
zum Thema ihres Vortrags "Lernen als Erfahrung? Neurowissenschaftliche und
pädagogische Antworten"
(Anmeldung erbeten: wolfgang.kellner@ring.bildungswerke.at)



INSTITUT FÜR WISSENSCHAFT UND KUNST
A-1090 Wien, Berggasse 17
Telefon / Fax ++43 (1) 317 43 42
IWK-Homepage: http://www.univie.ac.at/iwk