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Dienstag, 5. Dezember 2017

Wiener Sozialpsychologie-Ringvorlesung: 4. Kritische Psychologie (Daniel Sanin)

Hier der nächste Foliensatz zu unserer Ringvorlesung "Themenfelder und Perspektiven der Sozialpsychologie" an der Sigmund Freud Uni in Wien. Diese Woche referierte Daniel Sanin über die von Klaus Holzkamp begründete Kritische Psychologie.

Wie immer: Falls Dinge unverständlich bleiben sollten, ihr mehr wissen wollt oder sonstige Fragen oder Anmerkungen habt, hakt jederzeit über die Kommentarfunktion hier im Blog oder per eMail bei den einzelnen Referent_innen nach.

Nächste Termine/Themen:
11.12.: Poststrukturalismus und Critical Psychology (Markus Wrbouschek)
18.12.: Feministische (Sozial-)Psychologien (Nora Ruck)
08.01.: Postkoloniale Perspektiven und Sozialpsychologie (Katharina Hametner)


Mittwoch, 21. September 2011

Vortrag in Berlin: Den Widerstand proben. Wie emanzipatorisch ist das Milgram-Experiment?

ARBEITSBEREICH SUBJEKTWISSENSCHAFT UND KRITISCHE PSYCHOLOGIE FU BERLIN
in Zusammenarbeit mit der
GESELLSCHAFT FÜR SUBJEKTWISSENSCHAFTLICHE FORSCHUNG UND PRAXIS
Vortrags- und Diskussionsveranstaltung
mit
Dipl.-Psych. Michael Zander

„Den Widerstand proben. Wie emanzipatorisch ist das Milgram-Experiment?“
Samstag, 01. Oktober 2011, 19.00 Uhr
Helle Panke, Kopenhagener Str. 76, 10437 Berlin (Prenzlauer Berg)Samstag, 01.

Das erstmals vor 50 Jahren durchgeführte „Milgram-Experiment“ zum Autoritätsgehorsam ist mittlerweile nicht nur zum „Klassiker“ avanciert, es gehört auch zu den wenigen Untersuchungen der akademischen Psychologie, die über Fachkreise hinaus berühmt geworden sind.
Dies dürfte zum einen daran liegen, dass es thematisch interessant ist: Milgram knüpfte kritisch an die Arbeiten seines Doktorvaters Solomon Asch an und beanspruchte, damit einen Beitrag zur Erklärung des Faschismus sowie des Verhaltens von US-Soldaten in Vietnam zu leisten. Zum anderen handelt es sich um ein höchst ungewöhnliches Experiment, das sich methodisch nicht ohne Weiteres in den psychologischen Mainstream einordnen lässt: So enthält es keine Prüfung einer allgemeinen Hypothese, vielmehr werden die Versuchsbedingungen probierend variiert; Milgrams Theorie des Gehorsams erklärt die Ergebnisse nachträglich, und die Versuchspersonen werden an der Interpretation ihres Verhaltens beteiligt, wenngleich der Versuchsleiter das letzte Wort behält. Kritikerinnen und Kritiker der Psychologie stehen dem Experiment zwiespältig gegenüber. Einerseits werden die Vpn einer sie z.T. erschütternden Manipulation unterworfen, andererseits berichten viele von ihnen von einer lehrreichen Erfahrung. Das Experiment berührt ein Kernthema der Kritischen Psychologie, nämlich die Alternative von Anpassung oder Widerstand in der Konfrontation mit Herrschaft.

Markard (2009) gelangt in seiner Diskussion des Milgram-Experiments und anderer Untersuchungen zu dem Schluss: „Der entscheidende Punkt ist der, dass derartige Befunde dazu beitragen können, dass diejenigen, die sie kennen, dieses Wissen nutzen können, wenn sie in eine vergleichbare Situation geraten.“ (S. 52) Und auch Holzkamp (1983, 572) deutet an, „widerständige“ Bedingungen im Kampf um Verfügungserweiterung ließen sich möglicherweise experimentell untersuchen. Enthält das Milgram-Experiment möglicherweise Elemente, die in kritisch-psychologische Forschung eingehen könnten?

Michael Zander ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Gerontologische Forschung e.V., Mitglied des Graduiertenkollegs „Multimorbidität im Alter“ an der Berliner Charité und Doktorand der Psychologie an der FU Berlin.

Montag, 29. August 2011

CfP: Sozialpsychologie des Kapitalismus heute – Kongress der Neuen Gesellschaft für Psychologie Zur Aktualität Peter Brückners 1. – 4. März 2012 in Berlin

Sozialpsychologie des Kapitalismus heute – Kongress der Neuen Gesellschaft für Psychologie
Zur Aktualität Peter Brückners
1. – 4. März 2012 in Berlin

„Arbeitskraftunternehmer“ unter hohem Flexibilitäts- und Anpassungsdruck einerseits, Arbeitslose und prekär Beschäftigte ohne Qualifikationsperspektive andererseits, Ökonomisierung aller Gesellschaftsbereiche, Bildung und Gesundheitswesen eingeschlossen, Öffentliche Armut und hochgradige Verschuldung gegenüber z. T. extremem privatem Reichtum kennzeichnen die kapitalistische Krisendynamik der Gegenwart.
Diese innergesellschaftliche Ungleichentwicklung und mehr noch die innereuropäische und globale Dynamik von Akkumulation und Verarmung produzieren Spannungen, die durch Politik und Medien in der Perspektive von Krise und Instabilität gehalten und in rechtspopulistische und rassistische Einstellungen gelenkt werden. Außenpolitisch wird damit militärische Intervention als „ultima ratio“ darstellbar.
Die Medien spielen dabei die Rolle der Diskurs- und Meinungslenker, Hersteller von Konsens (Chomsky). Sie besetzen den öffentlichen Raum, „beherrschen überall die öffentliche Kundgebung“. Dank ihrer Vermittlung werden „die Diskurse der politischen Klasse, der massenmedialen Kultur, und der akademischen Kultur miteinander verschmolzen in dem einen Punkt der größten Kraft, um die politisch-ökonomische Hegemonie und den Imperialismus zu sichern“ (Derrida 1993, S. 90 f.).
Dieser Diskurs operiert nach dem Prinzip des „Versteckens durch Zeigen“ (Bourdieu). Versteckt wird alles, was diese Hegemonie gefährden könnte, letztlich das Subjekt (der Macht), indem an seiner Stelle das einzelne Individuum vorgeführt wird. Es handelt es sich um „Psychologisierung“ der gesellschaftlichen Verhältnisse und Kämpfe. Zusätzlich verschleiert und damit verstärkt wird diese durch die Entgrenzung des Angebots von ineinander übergehender Information, Unterhaltung und Werbung, die sich zugleich ständig selbst dementiert, durch das Angebot interaktiver elektronischer Medien, die Erfahrungen und Reaktionen dort zu kommunizieren, wodurch zugleich die kommerziell interessierte und staatliche Überwachung und Beobachtung auf breiter Ebene möglich gemacht wird, ohne deren aktive Verleugnung die Individuen in ihrem Alltag kaum funktionsfähig wären.
Die Rolle der Psychologie in dieser Herstellung von Konsens, von Zustimmung zur Politik der Mächtigen ist unübersehbar. Sie begleitet in ihren Spielarten die Gleichzeitigkeit der Aufblähung und Entwertung von Subjektivität. Wir dürfen sie deshalb auch nicht bei der Analyse der gegenwärtigen Situation vergessen.
In diesem Horizont wollen wir den Kongress der Neuen Gesellschaft für Psychologie vom 1. bis 4. März nächsten Jahres dazu nutzen, den Faden des Denkens eines Psychologen wieder aufzugreifen, der vor mehr als einer Generation darum bemüht war, worum es uns auch heute geht: den gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang von Ökonomie, Politik, Kultur, Soziales und Psyche zu denken: Peter Brückner (1922-1982).
Peter Brückner, dessen Todestag sich 2012 zum dreißigsten Mal jährt, steht für:
- Reflexives Durchdringen von Herrschaftsstrukturen und gesellschaftlichen
- Konfliktlagen unter einer auf Emanzipation gerichteten Perspektive
- das Insistieren auf der sozialen Frage und der Realität sozialer Klassen
- die Verbindung von Psychologie und Gesellschaftskritik, von Psychoanalyse und Marxismus
- das politische Mandat der Wissenschaft und die politische Verantwortung der Wissenschaftler
- eingreifendes Handeln aus dieser Verantwortung – aus dem Wissen und der Überzeugung, dass Geschichte von Menschen gemacht und damit veränderbar ist.

Die Neue Gesellschaft für Psychologie stellt sich mit ihrem Kongress 2012 die Aufgabe, das gesellschaftliche Gewaltverhältnis auch hinsichtlich seiner inhärenten Widersprüche und deren subversiven Potentials einer Analyse zu unterziehen, um die Voraussetzungen für die Wiederaneignung von enteigneten Lebensbedingungen zu schaffen. Damit wollen wir zugleich auch Peter Brückners Vermächtnis für die heutige Generation weiterdenken und nach den Möglichkeiten eingreifender Kritik fragen.

Wir laden dazu ein, entsprechende Themenvorschläge für Beiträge einzureichen (Titel und kurze Zusammenfassung, etwa 300 Wörter) bis 1. 10. 2011 (deadline) an: abstracts@kongress2012.ngfp.de

Wir wünschen uns Beiträge, die das Werk und die Haltung Peter Brückners der Vergessenheit entreißen, indem sie seine Gedanken und sein politisches Handeln darstellen, rekonstruieren, diskutieren, weiterführen.
Wir wünschen uns Beiträge zu aktuellen gesellschaftlichen Konflikt- und Problemlagen aus Psychologie und Gesellschaftswissenschaften, beispielsweise zu den Bereichen/Themen
- Hochschul- und Wissenschaftsentwicklung, innerpsychologische Kontroversen
- Gesundheitswesen und Psychotherapie
- Armutsentwicklung, Segregation und Migration
- Medien, Macht und Subjektivität