Dienstag, 21. September 2010

Kongress der Neuen Gesellschaft für Psychologie | MACHT | KoNTroLLE | EVIDENZ |

| MACHT | KoNTroLLE | EVIDENZ |
| EVIDENZ | MACHT | KoNTroLLE |
| KoNTroLLE | EVIDENZ | MACHT |
Kongress der Neuen Gesellschaft für Psychologie
vom 3. bis 6. März 2011 an der Freien Universität Berlin

VorLäUFIGES ProGrAMM
• Viktoria Bergschmidt: »Interkulturelle Kompetenz« am Beispiel der Drogenhilfe – eine Kritik aus diskurstheoretischer Perspektive
• Christoph Bialluch: Werde Hysterisch!
• Klaus-Jürgen Bruder: Macht, Verleugnung und Therapie
• Almuth Bruder-Bezzel: Prekarisierung
• Markus Brunner: Psychologie und die Praxis der Emanzipation
• Niklas Alexander Chimiri: Ausbruch aus der hegemonialen Lesart, oder: Wie kann die alltägliche Nutzung von Massenmedien anders gedacht werden?
• Carmen und Martin Dege: Die Dialektik in der Moderne am Beispiel der Anerkennungstheorie
• Angelika Ebrecht-Laermann: »Woher, in aller Welt, der Trieb zur Wahrheit!«? – Zur Problematik von Wahrhaftigkeit und Wahrheit in der Psychoanalyse
• Miriam Anne Geoffroy: »Gesprengte Institution« unter Kontrolle?
• Stefanie Girstmair und Thomas Slunecko: »The Entrepreneurial Poor«
• Thomas Goes: Alltagsbewusstsein, soziale Deutungsmuster und Krisenhandeln
• Katharina Hametner, Stefanie Girstmair u.a.: Der gute und der böse orientale
• Jürgen Hardt: Über die gesellschaftliche Verantwortung der Psychotherapie
• Erich Kirchler: Macht des Staates und Vertrauen in den Staat als Determinanten der Kooperation
• David-León Kumrow: Neoliberale Hegemonie und Subjektivität
• Cécile Loetz und Jakob Müller: Das Psychologiestudium aus studentischer Perspektive
• Vanessa Lux:Verschiebungen im biologischen Determinismus: Konsequenzen für die
psychosoziale Praxis
Emilio Modena:Wirtschaftskrise und Sozialabbau: Der Psychoanalytiker als »Bourgeois« und als »Citoyen«
• Knuth Müller: In the line of duty. Psychoanalytiker und die USamerikanischen Geheimdienste
• Ernst Schraube: Soziale Symmetrie in der psychologischen Technikforschung
• Maja Tintor: Beschäftigte: Kostenfaktor oder Humankapital?
• Michael Wolf: Arbeitslose: Parias wider Willen. Politisch-psychologische Anmerkungen zum Staatsrassismus des Neoliberalismus

DEr AUSGANGSPUNKT
Zunehmende Armut aufgrund von Arbeitslosigkeit, prekären Beschäftigungsverhältnissen, bei gleichzeitig sich vergrößernder Kluft zwischen Arm und reich, zunehmende Unsicherheit der Lebensperspektive für einen immer größer werdenden Kreis der Bevölkerung, immer weiter eingeschränkte Teilhabe am kulturellen und politischen Leben, die einen Verlust an Demokratie und Partizipation bedeutet, Veränderung der Zugangswege zu interessanteren und besser bezahlten Berufen, die für einen immer größer werdenden Teil der Bevölkerung einer Verringerung der Chancen gleichkommt, solche Berufspositionen zu erreichen, Veränderung der Berufe selbst, Zunahme der Belastung, Abnahme der selbst erfüllenden Anteile, Veränderungen in der Arbeitsteilung der Geschlechter, überwiegend zulasten der Frauen, Zurückschrauben emanzipativer Perspektiven und Handlungsräume, Veränderungen im Bildungsbereich, Ausbildung, Erziehung, Verringerung der Zugangschancen für wachsende Bevölkerungsteile, Veränderungen der Gesundheitssysteme, Gesundheitspolitik, Familienpolitik, Altersarmut, Intergenerationenbeziehungen, Migration und Integration, zunehmende Militarisierung des Lebens, permanente Kriegsdrohung, bzw. Ausweitung der Bedrohung durch die Kriege überall, usw.
Diese gesellschaftlichen Veränderungen wirken sich zugleich auf die Arbeit der Psychologen aus, stellen eine Herausforderung für die praktisch arbeitenden Psychologen dar.
Sie schlagen sich in der Zunahme psychischer Problemlagen und nicht mehr zu bewältigender Störungen der psychischen Selbstregulation nieder. Zugleich handelt es sich bei den genannten Veränderungen nicht um die Auswirkung und Folgen bloßer – vielleicht notwendiger – Umstellungsprozesse, an die »der Mensch sich vielleicht anpassen « müsste, vielmehr sind diese Veränderungen »politisch« hergestellt.
Die »Verarmung« des Staates ist nicht die Folge einer nachlassenden Wirtschaftskraft, sondern der Senkung der staatlichen Einnahmen durch Senkung der Besteuerung der wirtschaftlichen Erträge.
Und: die Verarmung trifft nicht alle Teile der Bevölkerung gleichmäßig, sondern wird ungleich verteilt. Und diese Verarmung wird weiter gesteigert, indem nach demselben Mechanismus die ärmeren Bevölkerungsteile die »Löcher« im Staatshaushalt wieder zu füllen herangezogen werden.
Welche rolle übernimmt die Psychologie in dieser Lage, welches Menschenbild entsteht in dieser Zeit, wird propagiert, welche Strukturen werden gefördert und Kompetenzen gefordert?
Die Menschen, die in die bedrohlichen Zonen der Veränderung geraten, sind überfordert und zugleich allein gelassen - nicht nur, sondern zusätzlich belastet durch Stigmatisierung und Schuldzuweisung.
Das neue Menschenbild der neoliberalen Steigerung der Ungleichverteilung überträgt ihnen die Verantwortung für das, was die gesellschaftlichen Veränderungen ihnen zumuten, abverlangen.
Und: welche Feindbilder werden als negative Gegenidentifikation angeboten, den Enttäuschten und Gedemütigten vorgeworfen: durch die Medien, durch die Politik selbst, durch die Ökonomie und die Militarisierung und Verrohung des Alltags.
Wie verhält sich die Psychologie zu diesen Veränderungen, Entwicklungen und Folgen. Nimmt sie diese überhaupt wahr, ist sie in der Lage, Antworten zu geben oder auch nur erst zu suchen, die diesen Bedrohungen und realitäten einigermaßen gewachsen sind. In welchen Widersprüchen befinden sich die praktisch arbeitenden Psychologinnen und Psychologen? Sind die psychologischen Einrichtungen, Institutionen, Arbeitsmittel, Aufgabenstellungen, Arbeitsplatzbeschreibungen in der Lage, offen genug, solche notwendigen Antworten zu finden (oder schränken sie die Möglichkeit eher ein), welche Alternativen zur bisherigen Praxis, Haltung, Arbeit der Psychologie gibt es, sind zu entwickeln und durchsetzbar, können kritische Haltungen in der Praxis bewahrt, vertreten werden, kritische Inhalte umgesetzt werden.

Die Tagung wendet sich an praktisch arbeitende Psychologinnen und Psychologen in unterschiedlichen Arbeitsfeldern, an Mitglieder unterschiedlicher Berufsgruppen der psychosozialen Arbeit, an Studierende, Forschende und Lehrende der Psychologie und ihrer Nachbardisziplinen, sowie an Ausbildungskandidatinnen und Ausbildungskandidaten.

orGANISATorISCHES
Der Kongress beginnt am 3. März mit einer Abendveranstaltung, am 4. und 5. finden tagsüber die Vorträge, am 4. abends studentische bzw. berufspolitische Foren, am 5. der gesellige Abend, am 6. die Mitgliederversammlung der NGfP statt. Zertifizierung wird bei der Psychotherapeutenkammer Berlin beantragt. (Bei der Anmeldung bitte angeben, ob Bestätigung der Teilnahme gewünscht wird.)

Tagungsgebühren betragen bis zum 15.12.2010 für Studierende, Ausbildungskandidaten und Hartz IVEmpfänger 60€, für Mitglieder der NGfP 100€ und für Nicht-Mitglieder 160€, (inkl. zwei Essen und Getränken in den Pausen), für den geselligen Abend 35€, reduziert 25€, nach dem 15.12.1010 betragen die Tagungsgebühren 70€ für Studierende, Ausbildungskandidaten und Hartz IV-Empfänger, 120€ für Mitglieder und 190€ für Nicht-Mitglieder.
Anmeldung per Email bitte unter Angabe von Namen, Adresse und Status an folgende Adresse:
orga@2011.ngfp.de
oder per Post an:
Macht Kontrolle Evidenz – Kongressorganisation
z. Hd. Christoph Bialluch
Hobrechtstr. 69
12047 Berlin
Bankverbindung:
Berliner Bank, BLZ 100 200 00, Kto 368 233 300,
IBAN: DE62 100 708 480 3682333 00,
BIC-/SWIFT-Code: DEUT DE DB110
(Bestätigung der Anmeldung erfolgt nach Eingang der Überweisung)
Kommentar veröffentlichen