Donnerstag, 22. März 2012

Tagung "'Normalungetüme'. Von der Gewaltphantasie zum 'Amoklauf'", 5.-6.5. Frankfurt a.M. #tagung #amoklauf http://critpsych.blogspot.com

am 5. und 6. Mai findet am Sigmund-Freud-Institut die 37. Jahrestagung des Arbeitskreises Politische Psychologie (DVPW) und der Arbeitsgruppe "Psychoanalyse, Gesellschaft, Kultur" statt:


»Normalungetüme«. Von der Gewaltphantasie zum ›Amoklauf‹

Gewalt erscheint in der öffentlichen Wahrnehmung fast immer als etwas Fremdes, das in eine friedlich-zivilisierte Welt überraschend ›einbricht‹ – gerade wenn es um amokartige Gewalt in ›westlichen‹ Gesellschaften geht. Geredet wird dabei über psychopathische TäterInnen, zerrüttete Familienstrukturen und soziale Randgruppen, aber kaum über die gesellschaftlichen und individuellen Konstitutionsbedingungen von Gewalt. Die Psychoanalyse hat hingegen mit Nachdruck auf die Ubiquität von Gewaltphantasien und mörderischen Impulsen hingewiesen, die in der Entwicklung jeder/s Einzelnen eine prominente Rolle spielen. Auch dann, wenn sie einigermaßen sozialverträglich gehemmt werden, können sie unter bestimmten psychosozialen Bedingungen nachträglich umgeformt erneut auf Ausdruck und Abfuhr drängen – insbesondere bei Männern und männlichen Jugendlichen in Form von physischer Gewalt. Gewalttaten sind in dieser Perspektive nicht das Fremde, das von außen in die Gesellschaft einbricht, sondern das (un)heimlich Vertraute.
Kritische Gesellschaftstheorien betonen, dass die kapitalistische Vergesellschaftung auf Gewalt beruht und familiäre wie schulische Sozialisationsprozesse von gewaltförmigen Macht- und Herrschaftsverhältnissen durchzogen sind. Es ist ein zentraler Topos einer psychoanalytischen und gesellschaftskritischen politischen Psychologie, dass die gesellschaftliche Normalität »Normalungetüme« (Adorno) gebiert, die in Krisenzeiten auchzu den Akten offener Gewalt fähig sind, die sich in Amokläufen zeigt.

Referierende:
Martin Altmeyer, Dr. rer. med. habil., Psychoanalytiker, Frankfurt a.M.
Christine Kirchhoff, Dr. phil., Berlin
Nadja Meisterhans
, Dr. phil., Institut für Politikwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Giessen
Rolf Pohl, Prof. Dr., Institut für Soziologie der Leibniz Universität Hannover
Sebastian Winter, Dr. des., Fakultät für Soziologie, Arbeitsbereich Gender, Universität Bielefeld
Achim Würker, Dr. phil., Reinheim

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